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Nachrichten aus dem Kreisverband


Es gibt für uns keinen vernünftigen Grund dieses Siegesdenkmal erneut an einem der vorgeschlagenen Standorte wieder aufzurichten

Rede von Stadtrat Lothar Schuchmann zur Umgestaltung des Platzes am Siegesdenkmal (Gemeinderat am 28.07.2015)

Es geht in der Vorlage G15/143.1 um die „Umgestaltung des Platzes am Sieges- denkmal“ und um einen angemessenen Umgang mit dem Siegesdenkmal“; beginnt so eine Real-Satire oder handelt es sich nur um Rücksichtnahme auf den Künstler Karl-Friedrich Moest ?

Kriegsgefallene verdienen Achtung und ein würdevolles Gedenken -  unabhängig von ihrer jeweiligen Uniform-  daran rüttelt niemand.

Das  Freiburger Siegesdenkmal ist kein Denkmal würdevollen Gedenkens   an Kriegsgefallene. Das Siegesdenkmal steht vielmehr für einen unglaublich verantwortungslosen der damaligen autoritären Obrigkeit mit Untertanen, die sich zu toten „Helden“ machen ließen. Dazu gehören leider auch die "Helden" des damaligen XIV. Armeekorps.

Der durch nichts zu rechtfertigenden deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 festigte endgültig die Erbfeindschaft gegen Frankreich, hinterließ eine feindselige Haltung in deutschen Köpfen und eine rachsüchtige französische Nation.

Nicht weniger als 200 000 junge Männer beider Seiten mussten in diesem für uns Deutsche „so wunderbar siegreichen Krieg“ für nichts ihr Leben lassen.

Die Ideologie des Nationalismus und Chauvinismus lähmte in Deutschland in der Folgezeit jede weitere demokratische Entwicklung, während sich in Frank reich immerhin mit der 3. Republik wieder demokratische Verhältnisse durch- setzen konnten.

Im Mittelpunkte der jährlichen Feiern des Nationalfeiertags am 2. September stand die siegreiche Schlacht 1870 bei Sedan. Fast 50 Jahre lang wurde da- bei, wie meine Großmutter berichtete, an den Schulen auf die Niedertracht des französischen Volkes hingewiesen und anschließend gemeinsam das Lied „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen“ gesungen.

Ohne diesen siegreichen Krieg 1870/71, den das Siegesdenkmal, eingeweiht 1876 in Anwesenheit des deutschen Kaiser Wilhelm I (des Kartätschen-Prin- zen) und des Reichskanzlers Bismarck verherrlicht, hätte es wahrscheinlich die verheerenden Folgekriege nicht gegeben; vielleicht wäre uns auch der Nationalsozialismus erspart geblieben.

Es gibt für uns keinen vernünftigen Grund dieses Siegesdenkmal erneut an einem der vorgeschlagenen Standorte wieder aufzurichten. 1948 bereits wurde von der Friedensgesellschaft ein Antrag gestellt, das Denkmal abzu- bauen. Leider wurde dies abgelehnt. Ähnliche gescheiterte Versuche  wiederholte sich später noch mehrmals.
Da solche Denkmäler als geschichtsträchtige Hinterlassenschaften gelten, soll auch das Siegesdenkmal für interessierte Historiker in einem entsprechenden Freilicht-Museum aufgestellt werden und so der Geschichtswissenschaft weiter zur Verfügung stehen.  Dazu würde sich etwa im Freiburger Hauptfriedhof das Feld westlich der Einsegungshalle anbieten, wo schon seit langem ein anderes "Heldendenkmal" steht.

Ein anderer Name für den "Platz am Siegesdenkmal" wird sich finden. Ich schlage vor, den Platz in „Rosa-Luxemburg-Platz“ umzubenennen.



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