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Nachrichten aus dem Kreisverband


Rede von Julia Meier zum Frauenkampftag in Freiburg

Seit Anfang diesen Jahres ist ein Mann Präsident der USA, der öffentlich erklärt, er könne Frauen zwischen die Beine fassen wann und wie er will, weil er berühmt genug ist. Wohlgemerkt: Vor der Wahl. Gewählt wurde er trotzdem.

Am Tag nach seiner Amtseinführung gingen in den USA eine Million, weltweit zwei Millionen Menschen, ganz besonders Frauen, gegen ihn, seine Wahl und seine angekündigte Politik auf die Straße. Wir sind hier und heute ein Teil der selben Bewegung wie der Womens March!

Trump und sein Erfolg zeigen wie prekär die Rechte von Frauen in unserer ach so aufgeklärten westlichen Gesellschaft sind. Und wie wenig abgeschlossen der Kampf um Gleichberechtigung.

Auch im Jahr 2017 verdienen Frauen im Durchschnitt 21% weniger als Männer. Dass dabei auch eine Rolle spielt, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten oder ein paar Jahre gar nicht arbeiten, ist keine Rechtfertigung: Nein, es ist unmittelbares Resultat der Tatsache, dass ein großer Teil der Haus- und Sorgearbeit nach wie vor an uns Frauen hängt. Frauen kümmern sich um Kinder, Frauen kümmern sich um pflegebedürftige Schwiegereltern, Frauen bleiben zu Hause, wenn das Kind krank ist und kommen damit beruflich nicht voran. Mehrheitlich Frauen arbeiten in KiTas, in Altenheimen und in Krankenhäusern und verdienen ca. 2/3 von dem, was ein Polizist oder Facharbeiter in einem technischen Beruf verdient.

Frauen sollen alles auf einmal: Beruflich erfolgreich sein, immer für Kinder, Mann und Familie da sein und in sozialen Berufen eben auch noch für die Kitakinder oder die Patienten. Eigene Wünsche, Bedürfnisse und Interessen bleiben auf der Strecke. Vor allem sollen Frauen nichts wollen, wenn es sich nicht durch Schuhekaufen befriedigen lässt!

In diesem Sinne sind die Streiks an der Berliner Charité im letzten Jahr, jetzt in den Krankenhäusern im Saarland und hoffentlich bald auch hier in Freiburg, auch Streiks für Frauenrechte: Es geht um mehr Personal im Krankenhaus, um ein lautes Nein! zu der Annahme zynischer Geschäftsführer, die Frauen nähmen schon alles auf sich, in Sorge um die Patienten. Solidarität mit den Klinikstreiks für mehr Personal!


Auch den Backlash gegen Frauenrechte, den Trump so deutlich sichtbar macht, gibt es in Deutschland:

In Berlin, aber auch in Freiburg, finden seit ein paar Jahren christlich verbrämte Aufmärsche statt gegen die Sebstbestimmung von Frauen über ihren eigenen Körper. Es gibt wieder Landstriche in Deutschland, in denen im Umkreis von 100 km kein Arzt eine Abtreibung durchführt. Der rechte Mob tarnt sich als “besorgte Eltern” um gegen Sexualkunde und Aufklärungsunterricht Front zu machen.

Immer mitten drin: Rechte Netzwerke aus dem Umfeld der AfD. Beatrix von Storch und ihr Adelsverein “Zivile Koalition” bei den Aufmärschen in Berlin, der Freiburger AfD Bundestagskandidat Volker Kempf und sein Netzwerk in Baden-Württemberg.

Dabei geht die Frauenfeindlichkeit der AfD Hand in Hand mit dem Rassismus, der den Laden zusammenhält.  Ja, gegen Muslime, Flüchtlinge und “Nordafrikaner” wird dann gerne die “deutsche Frau” verteidigt. Wer auch immer das ist, die “deutsch Frau”. Auch bei der Kölner Polizei.

Wie das konkret aussieht, durften im Febraur dieses Jahres vier junge Frauen erfahren: Von Männern in der Kölner U-Bahn übel verprügelt, angefasst,  belästigt, wegen ihres Frau-Seins beschimpft, dann als “Lesben” und “keine richtigen Frauen” beschimpft, mussten sie erleben, dass die Polizei sich weigerte den Anteil sexualisierter Gewalt an dem Angriff aufzunehmen. Der Grund: Die Frauen darauf bestanden, dass sie keinen Anlass hätten, die Täter als “Nordafrikaner” zu beschreiben.

Das ist die Realität 2017: Rassismus und Herunterspielen, sexualisierte Gewalt nicht ernst nehmen, wenn die Täter nicht ins Schema passen. Ein Schlag ins Gesicht, nicht nur für die Betroffenen, sondern für alle Frauen! Wir brauchen keine Verteidiger, den verteidigen können wir uns selbst am Besten!

Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde,

die Trumps, Le Pens und die AfD sind angetreten, diese Welt in ihrem Sinne zu verändern: Mit Angriffen auf Frauen, auf Muslime, auf Juden, Einwanderer, Flüchtlinge. Mit Angriffen auf Gewerkschafter und Linke. Es reicht nicht, dagegen einfach einen beschissenen Status Quo zu verteidigen!

Heute vor 100 Jahren zogen streikende Textilarbeiterinnen durch St. Petersburg. Sie taten den ersten Schritt einer Bewegung, die die Welt verändern würde, den ersten Schritt der Russischen Revolution. Wir, hier, heute, stellen den Trumps und AFDlern, dem etablierten Status Quo, unseren Kampf entgegen! Den Kampf für eine Welt ohne Frauenunterdrückung und ohne Rassismus. Eine Welt, in der wir unser Leben selbst bestimmen, und ja, das heißt auch unsere Arbeit!

Wir sind nicht so weit wie die Frauen von St. Petersburg 1917, aber lasst uns trotzdem ein Beispiel an ihnen nehmen: Wir. Können. Die. Welt. Verändern!

Lasst mich hier nächste kleine Schritte vorschlagen: Zeigt euch solidarisch mit den Streiks für mehr Personal im Krankenhaus! Geht auf die Straße gegen Rassismus am 25. März hier in Freiburg. Und geht auf die Straße gegen den AfD Bundesparteitag am 22. April in Köln!



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