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Nachrichten aus dem Kreisverband


Dr. Peter Behnen

Was ist los mit dem Arbeitsmarkt?

DR.PETER BEHNEN

DIE LINKE FREIBURG

 

WAS IST LOS AUF DEM ARBEITSMARKT? (1)

Durch die Corona-Krise kam es auch in der Bundesrepublik zu einer tiefen Rezession. Für 2020 wird mit einem Minus in der gesamtwirtschaftlichen Leistung von 5% gerechnet. Doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont. Die Konjunkturforscher der Hans-Böckler-Stiftung rechnen für Ende 2021 damit, dass das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird. Für 2021 rechnen sie mit einem Wirtschaftswachstum von 4,9%. Das führen sie auf die nach ihrer Ansicht entschlossene Krisenpolitik der Bundesregierung zurück, insbesondere auf die Stützung der Konjunktur durch das Kurzarbeitergeld. Positiv hervorgehoben wird ebenfalls die Krisenbekämpfung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU. Der europäische Recovery-Plan in Höhe von 750 MRD Euro habe zur Stabilisierung beigetragen. Risiken sehen die Konjunkturforscher der Hans-Böckler-Stiftung in einer neuen größeren Infektionswelle, der Politik der USA nach den amerikanischen Wahlen und in dem Brexit. Beunruhigend sei außerdem die Frage, ob es den exportorientierten Wirtschaftszweigen (z.B. der Autoindustrie) gelingt, aus der Rezession herauszufinden?

Das gesamte Szenario hat natürlich starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So lag die Zahl der registrierten Arbeitslosen im September bei 2,8 Millionen. Im Vergleich zum September 2019 ist das ein Anstieg von 613000 Arbeitslosen oder 27%. Trotzdem ist davon auszugehen, dass vermutlich der Tiefpunkt am Arbeitsmarkt durchschritten ist. Die Zahl der ArbeitnehmerInnen in Kurzarbeit betrug im Juli 4,2 Millionen, das sind dreimal so viel wie in der Finanzkrise 2008/2009. Auf die ausgefallene Arbeitszeit berechnet bedeutet das 1,6 Millionen weitere Arbeitslose. Das wird zur Folge haben, dass zuerst das Arbeitspensum der KurzarbeiterInnen wieder hochgefahren wird, bevor Unternehmen neue Arbeitskräfte einstellen.

Bei der Betrachtung der verschiedenen Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild. Die saisonbereinigte Beschäftigung gegenüber dem Vormonat August ist überwiegend gestiegen. Zuwächse gab es vor allem im Gastgewerbe, Gesundheitswesen sowie im Pflege- und Sozialbereich, Rückgänge allerdings im verarbeitenden Gewerbe (Metall- und Elektrobereich) und in der Arbeitnehmerüberlassung (2). Nimmt man jedoch den Vorjahresvergleich ist die Beschäftigung im Gesundheitswesen am stärksten gewachsen, wenn auch mit kleinerem Wachstum seit der Corona-Krise. Die Beschäftigungsrückgänge gegenüber dem Vorjahr konzentrieren sich auf die Arbeitnehmerüberlassung, Metall- und Elektroindustrie und beim Gastgewerbe. Prekär Beschäftigte sind durch die Corona-Krise besonders betroffen. Bis Ende Juni sind im Gastgewerbe 325000 Minijobs weggebrochen, es folgt der Dienstleistungsbereich mit einem Einbruch von 96116 Minijobs, dann der Handel und das verarbeitende Gewerbe mit einem Einbruch von 73641 und 70181 Minijobs. In der Summe ging jeder achte Minijob verloren.

Insgesamt muss festgestellt werden, dass die Wirtschaftskrise die soziale Ungleichheit, die schon vorher massiv war, verschärft. Die Kurzarbeit und die Schließung von Geschäften führten zu einer starken negativen Lohnentwicklung. Die Nominallöhne sind mit einem Minus von 4% noch deutlicher gefallen als im Verlaufe der Finanzkrise 2008/2009, bedingt vor allem durch die Verkürzung der Arbeitszeit. Am stärksten betroffen waren die unteren Lohngruppen. Für ungelernte und angelernte ArbeitnehmerInnen reduzierten sich die Nominallöhne um 7,4 bzw. 8,9%. Nach der Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung hat bereits über ein Viertel der Erwerbstätigen Einkommen verloren. Erwerbstätige mit niedrigem Einkommen haben dabei häufiger an Einkommen eingebüßt, erhalten bei Kurzarbeit seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes und haben häufiger Angst, ihren Arbeitsplatz ganz zu verlieren. Bessere Perspektiven haben in der Regel Beschäftigte in Unternehmen mit Tarifvertrag und Mitbestimmung.

Die Frage ist, wie die Entwicklung in den nächsten Monaten weitergeht?

Schon jetzt ist klar, dass die Unsicherheit und die Zukunftsängste zunehmen werden und sich der Nährboden für rechtspopulistische Bewegungen erweitern kann. Wie sich die gesellschaftliche Wertschöpfung weiterentwickeln wird, ist ziemlich unklar. Eine nationale Erholung des Wirtschaftsgeschehens unabhängig von der Entwicklung des europäischen Binnenmarktes und des Weltmarktes ist nicht zu erwarten. Falls nach der Jahreswende wieder eine starke Welle von Insolvenzen zu verzeichnen wäre, würde die Zahl der Arbeitslosen weiter in die Höhe schießen und deutlich werden, dass die Wirtschaftskrise nicht überstanden ist.

(1)Grundlage des Aufsatzes: Bischoff, Müller in: Sozialismus aktuell vom 2.10.20

(2) Von Arbeitnehmerüberlassung wird gesprochen, wenn ein selbstständiges Unternehmen (Verleiher) einen Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin (Leiharbeitnehmer) an ein anders Unternehmen ausleiht, wobei der Verleiher alle Rechte und Pflichten des Arbeitgebers zu übernehmen hat. Während die FDP und die CDU/CSU die Leiharbeit befürworten, lehnt die Linkspartei die Leiharbeit ab, wegen der Vielzahl von Missbräuchen. Die SPD und die Grünen halten daran fest, wollen aber eine gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen von Stammbelegschaften und Leiharbeiterschaft durchsetzen.

 


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