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Nachrichten aus dem Kreisverband


Dr.Peter Behnen

Die chronische Überakkumulationskrise

DIE CHRONISCHE ÜBERAKKUMULATIONSKRISE.

 

Das Ende der Nachkriegsprosperität des Kapitalismus wurde von verschiedenen kritischen Ökonomen in der Wirtschaftskrise des Jahres 1974/75 gesehen. Die stärkere Konjunkturentwicklung war bereits schon vorher abgelaufen, ebenso wie die langsame Verselbstständigung der Akkumulation des Finanzkapitals gegenüber der industriellen Akkumulation. Es kam ferner zu massiven Preissteigerungen an den Warenmärkten bedingt durch den Vietnam-Krieg, steigende Staatsverschuldung und Verteuerung wichtiger Rohstoffe (Öl !!!). All das trug zu Spannungen im Festkurssystem von Bretton Woods bei, was dann durch die Nixon-Regierung zu Fall gebracht wurde. Durch die Wirtschaftskrise 1974/75 wurde dann die Zeit geringerer Wachstumsraten, einer beginnenden Massenarbeitslosigkeit und des Angriffs auf den Sozialstaat eingeleitet.

Diese Entwicklung wurde von marxistischer Seite schon früh als chronische Überakkumulation diagnostiziert. Sie lässt sich aus der Struktur des Kapitalismus herleiten. Während das Wachstum der Wertschöpfung tendenziell geringer wird (tendenzieller Fall der Profitrate, langsameres Wachstum von v gegenüber c), was schon vor den 70er Jahre festzustellen ist, ist das noch kein echtes Problem, solange durch steigende Kapitaleinsätze die Profitmasse noch weiter wächst. Wenn aber das industrielle Kapital sich nicht mehr in vollem Umfang rentierlich verwerten lässt, nimmt die Dynamik der Geldakkumulation zu. Die Investitionsentwicklung im industriellen Bereich erforderte erhöhte Kreditaufnahmen. Die Folge war, dass die Zinsen langfristig stiegen und damit die Zinsansprüche an die industrielle Profitmasse, bei gleichzeitig schon langsamer wachsender Profitmasse wegen der Entwicklung von v bzw. c. Ein ernsthaftes Problem entstand, als die durchschnittliche Profitrate sich immer weiter der Zinsrate annäherte. Mit dem Fortschritt der kapitalistischen Entwicklung wuchsen also die Ansprüche aus Zinsen und Dividenden aus der Wertschöpfung. Die Zinsbewegung verselbstständigte sich gegenüber der industriellen Produktion (Reale Reproduktion) und es entstand ein Gegensatz der Entwicklung der industriellen Produktion zu der Geldkapitalbewegung. Das Geldkapital, das aus dem industriellen Sektor stammte, drängte zunehmend auf die Finanzmärkte. Hinzu kamen die Gelder aus Privathaushalten und Banken. Das Geld floss zunehmend in die Staatsverschuldung und privaten Konsumkredite und ein wachsender Teil in die Spekulation an Börsen und Immobilienmärkten. Das waren wichtige Voraussetzungen für eine große Kreditkrise, die sich dann auch 2007 ereignete. Voraussetzungen wurden zudem seit den 70er Jahren dadurch gelegt, dass durch die neoliberale Politik den Finanzmärkten der rote Teppich ausgerollt wurde. Es ist Aufgabe linker Politik Vorschläge zu machen, wie kurzfristig und auf lange Sicht der Finanzsektor zu regulieren ist und in eine grundlegende Veränderung der Wirtschaftsordnung einzubauen ist.

 

Zahlenbeispiel zur Verdeutlichung

 

Definitionen: m= Mehrwert c= konstantes Kapital (Maschinen, Rohstoffe etc.) v= variables Kapital (Arbeitskräfte)

m/c+v = Profitrate

m entsteht durch Mehrarbeitszeit von v im Produktionsprozess

c wächst schneller als v (wegen Produktivitätssteigerung)

 

Ausgangslage: m= 100 c=50 v=50 Profitrate 100/50+50 Profitrate 100%

 

Prosperierender Kapitalismus

 

c und v wachsen beide, wenn auch ungleichmäßig z.B. c um 20% und v um 10%.

Daraus folgt: m =110 c= 60 v= 55

Profitrate 110/115 Profitrate 95,6 %

 

Die Profitrate ist tendenziell gefallen, aber Profitmasse wegen steigendem v auf 110 gewachsen. Es kann auf erweiterter Basis produziert werden.

 

Chronische Überakkumulation

 

c wächst weiter, v wächst nicht mehr z.B. c um 10% und v um 0%

Daraus folgt: m=110 c=66 v=55

Profitrate nun: 110/121 Profitrate 90,9%

 

Die Profitrate ist weiter gefallen, die Profitmasse stagniert bei 110, weil v stagniert. Ein Teil des Kapitals weicht auf die Finanzmärkte aus, um durch Kurssteigerungen der Wertpapiere und Spekulationsgeschäfte der Stagnation zu entkommen. Es folgt auf die Dauer eine Überhitzung der Finanzmärkte mit einer Finanzkrise am Schluss. Eine Regulierung des Finanzsektors wäre angesagt und auf längere Sicht eine Abkehr von den Grundstrukturen des Kapitalismus.

 

 


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