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Nachrichten aus dem Kreisverband


Dr.Peter Behnen

Wert,Geld und Kredit

HISTORISCHE NACHZEICHUNG DES KAPITALISTISCHEN GELD-UND WÄHRUNGSSYSTEMS AUF BASIS DER MARXSCHEN THEORIE (1).

Die kapitalistische Produktionsweise unterliegt permanenten Veränderungen und damit auch das kapitalistische Geld- und Währungssystem. Inzwischen ist allgemein anerkannt, dass staatliche Regulierungen des Geld-Kredit und Bankwesens unabdingbar für das Funktionieren des Gesamtsystems sind. Inzwischen hat sich sogar die Vorstellung entwickelt, dass die Instrumente der staatlichen Fiskal- und Geldpolitik so weit entwickelt seien, dass die gesellschaftlichen Ressourcen weitgehend krisenfrei eingesetzt werden könnten, also ökonomische Krisen im Kapitalismus zu vermeiden seien. Die Modern Monetary Theory (MMT) beispielsweise geht davon aus, dass durch eine unbegrenzte Geldschöpfung des Finanzsektors (Zentralbank und Banken) eine störungsfreie Reproduktion des Wirtschaftslebens möglich sei. Dem muss aus Sicht der Marxschen Theorie vehement widersprochen und gezeigt werden, dass aufgrund einer fehlerhaften Geldbestimmung bis hin zu den zeitgenössischen Formen von Geld und Währung illusorische Vorstellungen über die Entwicklungsfähigkeit der kapitalistischen Produktionsweise Platz gegriffen haben. Es wäre somit die Aufgabe von Marxisten, die Entwicklung des kapitalistischen Geld- und Währungssystems nachzuzeichnen und die Grenzen der staatlichen Finanz- und Geldpolitik heute darzustellen. Dabei muss die Vermittlung von der Geldware Gold über das konvertible Repräsentationsgeld mit Golddeckung zum inkonvertiblen Zentralbankgeld und Buchgeld von Zentralbank und Banken aufgezeigt werden.

Die Fundamentalbestimmung des Geldes ist die des allgemeinen Äquivalents der Waren. Es bringt nach Marx den Wert der Waren zum Ausdruck. Dem liegt die doppelte Bestimmtheit der warenproduzierenden Arbeit zugrunde. Sie ist einerseits konkret-nützliche Arbeit, das heißt, sie muss einen Gebrauchswert (Konsumtionsmittel oder Produktionsmittel) schaffen, der auch am Markt anerkannt wird. Andererseits ist sie gleichzeitig Teil der gesellschaftlichen Arbeit, die sich erst im Austausch als gesellschaftlich notwendig oder eben nicht als solche erweist. Es handelt sich um Privatarbeiten voneinander unabhängigen Produzenten. Diese gesellschaftliche Arbeit findet im Wert der Waren ihren Ausdruck, der allerdings nur im Verhältnis zu anderen Waren als Tauschwert erscheint. Der Wert ist somit eine gesellschaftliche Eigenschaft der Ware, der in seiner entwickelten Form zur allgemeinen Wertform, also zum Geld, treibt. Diese Geldform entsteht dadurch, dass im historischen Verlauf eine bestimmte Ware mit Selbstwert als Äquivalentware ausgeschlossen wird und gesellschaftliche Gültigkeit gewinnt. Sie verwächst dabei mit edlen Metallen, wie Gold und Silber, und schließlich mit dem Gold als dem wertvolleren Metall. Gold wird Geld, weil es, wie andere Waren auch, Teil der gesellschaftlichen Arbeit ist und einen eigenen Wert hat. Beide Eigenschaften folgen mit Notwendigkeit aus der Wertbestimmung der Ware. Die Eigenschaft des Goldgeldes als allgemeines Äquivalent des Warenwertes ergibt sich sodann durch das Handeln der Warenbesitzer im Austauschprozess. Es ist allerdings ein Dilemma zu lösen. Es ist nicht gleichzeitig möglich, dass für alle Warenbesitzer der Austausch zum individuellen und gesellschaftlichen Prozess wird. Marx löste das Dilemma auf, indem er sagte, die Warenbesitzer hätten gehandelt bevor sie gedacht hätten. Das heißt, die Geldform entspringt aus unbewusst-bewusstem Handeln. Die Geldform entsteht einerseits historisch- naturwüchsig im Austauschprozess der Warenbesitzer und andererseits wiederholen sie den Prozess beständig auf bewusste Weise, indem sie mit dem fertigen Ergebnis täglich umgehen. Dieses unbewusst-bewusste Verhalten ist übrigens typisch für die Akteure im Kapitalismus, indem sie den Gesamtzusammenhang nicht durchschauen und sich gleichzeitig bewusst zu den Ergebnissen, zum Beispiel Krisen, verhalten.

Die erste fundamentale Geldfunktion besteht darin, dass es als Wertmaß fungiert, zuerst in Form des Goldgeldes. Sie verschafft den Waren ihren Preis, der Warenbesitzer nimmt die Preisbestimmung vor. Die ursprüngliche Ausdrucksform des Wertes im Preis war das Gold, das heißt, es konnte ursprünglich nur etwas als Wertmaß fungieren, was selbst auf wertbildende Arbeit zurückging und einen Selbstwert hatte. Nichts kann daher falscher sein, als wenn Geld nur noch als Recheneinheit definiert wird, Dass das Geld als Maßstab der Preise gesetzlich reguliert wurde hat dann der Vorstellung Vorschub geleistet, der Staat sei der Schöpfer des Geldes. Diese Vorstellung erfährt heute eine Renaissance in der Modern Monetary Theory (MMT), eine Vorstellung, die von Marx vehement kritisiert wurde. Geld wird von verschiedenen bürgerlichen Ökonomen zu einem bewusst geschaffenen Instrument zur Erleichterung des Wirtschaftsverkehrs erklärt. Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt um zu erklären, dass der Staat einschließlich der Zentralbank mit seiner Fiskal- und Geldpolitik den Kapitalismus umfassend steuern könne.

Geld als Geldware Gold ist zwar eine fundamentale Bestimmung, es zeigte sich jedoch im historischen Verlauf, dass diese Geldware nach und nach durch verschiedene Repräsentativgeldformen ersetzt wurde. Es ist hier zwischen verschiedenen Geldformen zu unterscheiden. Die ökonomische Grundlage für die Ersetzung des Goldgeldes durch Münzen und Wertzeichen, ist die Tatsache, dass das Geld in der Zirkulation W-G-W nur ein „flüchtiges Element“ darstellt und deshalb auch als Zeichen ersetzt werden kann. Es kann aus der metallischen Zirkulation als gültiges Wertzeichen (Papiergeld) durch staatliche Ausgabe herauswachsen. Die quantitative Größe des Wertzeichens ist durch das nicht unterschreitbare Minimum des aktiv zirkulierenden Mediums gegeben. Der Wert eines jeden Papiergeldes ist durch seine Konvertibilität in Gold bestimmt. Damit ergibt sich als Gesetz der Papiergeldzirkulation, dass die Ausgabe auf die Quantität zu beschränken ist, worin das von ihm symbolisch dargestellte Gold wirklich zirkulieren müsste. Während beim Geld als Maß der Werte alles auf die Qualität des Geldmaterials ankommt, ist es beim Geld als Maßstab der Preise umgekehrt. Jetzt ist die Quantität der Wertzeichen entscheidend, weil damit die Höhe der Preise und damit die Kaufkraft des Geldes tangiert wird. Die Möglichkeit der Inkongruenz von Gold und Papiergeld kann zur allgemeinen Steigerung der Warenpreise führen. Das wiederum kann zu einer Hyperinflation führen, was historisch zum Beispiel im Rahmen einer Kriegsfinanzierung oder einer tiefen ökonomischen Krise vorgekommen ist bis in die heutige Zeit.

Während beim Wertzeichen die „flüchtige Existenz“ innerhalb der Warenmetamorphose W-G-W die Ersetzung des Geldes mit Selbstwert (Gold) möglich macht, ist es beim Kreditgeld als der anderen und vom Wertzeichen unterschiedenen Geldform die Bonität der ausgebenden Stelle. Die naturwüchsige Grundlage des Kreditgeldes ist der Handelswechsel. Durch Diskontierung wurden historisch zuerst Privatbanknoten in Umlauf gebracht, später spielten dann aber auch Noten der Zentralbank eine wichtige Rolle. Zunächst waren die Zentralbanknoten goldkonvertibles Repräsentativgeld, sie mussten also auf Anforderung in Gold umgetauscht werden. Zur Sicherung der Goldkonvertibilität der Banknoten bestanden anfangs spezifische Deckungsvorschriften für den Notenumlauf durch den Goldschatz der Privatbanken und die Währungsreserve der Zentralbank. Das galt in allen kapitalistischen Metropolen. Diese Deckungsvorschriften sorgten damals für mächtigen Diskussionsstoff insbesondere deshalb, weil davon die geldpolitischen Möglichkeiten der Zentralbank abhingen. Marx ging davon aus, dass die Geldzirkulation von ihrer Gesamtgröße als auch von ihrer Umlaufgeschwindigkeit her durch die Bedingungen der Warenproduktion und Kapitalakkumulation bestimmt wird. Banknoten waren sowohl Wertzeichen wegen ihrer Repräsentanz des Goldschatzes als zentraler Währungsreserve als auch Kreditgeld, dessen Menge in der Zirkulation die nationale Goldreserve weit überstieg. Gleichwohl ist ein von Deckungsvorschriften befreiter Banknotenumlauf noch nicht die Form, die der reproduktiven Wertschöpfung und Kapitalakkumulation entsprochen hätte. Erst der Verzicht auf eine gesetzlich fixierte Konvertibilitätsvorschrift der Banknoten und erst als ein inkonvertibles Repräsentativgeld sind sie dem Charakter der kapitalistischen Produktionsweise adäquat. Sie sind dann eine Symbiose aus Wertzeichen und Kreditgeld, bei der zwei unterschiedliche Zirkulationsgesetze zu unterscheiden sind. Erstens die Wertzeichenzirkulation, die die zentrale Währungsreserve zur Grundlage hat und die sich mit dem Zahlungsbilanzsaldo verändert. Zweitens die Kreditgeldzirkulation die durch kurzfristige Kreditgeschäfte von Zentralbank und Banken entsteht, bei der ein Rückfluss der ausgegebenen Noten mit Ablauf des Kredits stattfindet.

Eine weitere Evolution des Geldwesens sind neben der Kredit- und Anlagefunktion der Banken ihre zinsunabhängigen Dienstleistungen, ihre Verrechnungen über Buchgeld mit Überweisungen und Lastschriften. Ihre Denomination als Geld erhalten sie über das Zentralbankgeld, das sie in die Welt setzen. Zusammengefasst unterscheidet sich das das Geldsystem des 19.Jahrhunderts vom heutigen durch drei Punkte. Erstens: An die Stelle von Goldmünzen, konvertiblen Banknoten, inkonvertiblem Zentralbankgeld (Wertzeichen) und Handelswechseln sind inkonvertible Zentralbanknoten als einheitliche Umlaufmittel getreten, ergänzt durch bedeutende Bankdepositen. Zweitens: Es hat eine Integration der verschiedenen nationalen Zirkulationskanäle stattgefunden. Drittens: Das Banksystem ist zweistufig. Die Zentralbank gibt Banknoten aus, verwaltet die Währungsreserven und ist die Clearingstelle im Zahlungsverkehr. Zentralbanken heute sind weniger weisungsabhängig. Banken fungieren entweder als Universalbanken oder als Spezialkreditbanken.

Die Evolution der Umlaufsmittel vollzog sich immer im Zusammenspiel von binnenwirtschaftlicher und internationaler Zirkulation. Zu Beginn des Kapitalismus gab es noch den Bimetallismus von Gold und Silber. Schließlich setzte sich Gold als allgemeines Äquivalent und Wertmaß national und international durch. Es vollzog sich Schritt für Schritt eine Idealisierung der Geldware Gold und eine weitgehende Immobilisierung der nationalen Goldreserven. Der Großteil der ökonomischen Transaktionen wurde international schon früher nicht mit Gold, sondern mit Handelswechseln durchgeführt. Die Wechselkurse zur Zeit des Goldstandards waren Spiegelbilder des Repräsentationsverhältnisses zum Gold als Weltgeld. Erst mit der inkonvertiblen Notenzirkulation lockerte sich das Verhältnis von Außenwert und innerem Wert der Währungen und es entstanden mehr Spielräume für die nationale Geldpolitik. Inkonvertibles Geld in der Binnenzirkulation und Konvertibilität der Währungen im internationalen entsprach den Merkmalen des Bretton-Woods-Systems. Nur der US-Dollar besaß eine feste Parität zum Gold. Zwischen den beteiligten Ländern bestanden feste Wechselkurse, die allerdings durch politischen Beschluss veränderbar waren. Seit Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts entstand die Spekulation gegen den Dollar und die Aufhebung der Einlösungspflicht des Dollars gegen Gold.

Damit wurde die weitläufige Beziehung des inkonvertiblen nationalen Geldes zur Geldware Gold noch einmal gelockert und der Übergang zu flexiblen Wechselkursen vollzogen. Es blieb nur noch die gegenseitige Devisenkonvertibilität der wichtigsten Währungen. Die Wertmaßfunktion des nationalen Geldes war vollends auf die Geldpolitik der nationalen Zentralbanken übergegangen und damit eine weitere Erhöhung des Spielraums der Nationalbanken (Lender of last resort). Doch das gilt jedoch nur für den kontinuierlichen Verlauf des Wirtschaftsprozesses. Im Zuge einer tiefen Wirtschaftskrise mit einer Zerstörung der Zentralbankfunktion des „Lender of last resort“ könnte die Goldkonvertibilität des de jure inkonvertiblen Geldes wieder eingefordert werden. Es ist dann bei einem krisenhaften Umschlag des Kredit-ins Monetarsystem von einer kaskadenartigen Steigerung auszugehen. 1.Stufe: Entwertung der Kaufkraft der nationalen Repräsentativwährung mit einer galoppierenden Inflation und ein Ausweichen auf eine stabile Alternativwährung. 2.Stufe: Bei Entwertung einer international bedeutenden Währung und Infragestellung der Funktion des „Lender of last resort“ entsteht die Notwendigkeit auf die hegemoniale Währung (z.B. US-Dollar) auszuweichen. 3.Stufe: Würde das nicht ausreichen und würde Geld mit Selbstwert gefragt, käme das einem katastrophaler Zusammenbruch des gesamten internationalen Geld- und Währungssystems gleich. Es würde keine Verschuldung mehr möglich sein und die Nationen drohten in die Barbarei zu versinken. Die Alternative zu der Krisenkaskade wäre national ein schrittweiser Übergang in eine alternative Wirtschaftsordnung (Marktsozialismus) und international ein nichtnationales Weltgeld, eine Weltzentralbank und ein Abbau der internationalen ökonomischen Ungleichgewichte.

Die Geldmenge besteht heute aus dem Zentralbankgeld und den Bankdepositen. Sie sind grundlegend durch den Umschlag des gesellschaftlichen Kapitals und den Kredit bestimmt. Die Bankdepositen sind an die Einlagen und die Kreditschöpfung der Banken gebunden. Hier setzt die sogenannte „Geldschöpfung aus dem Nichts“ von Joseph Schumpeter an und behauptet einen eigenständigen Einfluss der Geschäftsbanken auf die Geldmenge. Tatsächlich ist das Kreditschöpfungspotential der Banken auch jenseits der Vorgaben (Barreserve, Mindestreserve, Regulierungen) keine konstante Größe, sondern ist abhängig von den Phasen des industriellen Zyklus. In der Prosperität wirken kumulative Effekte und eine Umkehrung des Profit/Einkommens und Investitionszyklus. Es entwickelt sich ein Kredit/ Investitions- und Einkommensmechanismus. Der Monetarkeynesianismus macht sich diese Sichtweise als Normalfall zu eigen, weil er durch eine überzogene Bewertung des Finanzsektors und eine Missachtung der Wertschöpfung durch produktive Arbeit charakterisiert ist. In dem Multiplikatorprozess der Prosperitätsphase des Zyklus liegt jedoch die Gefahr, dass die Banken die vorsichtige Geschäftspolitik ignorieren und risikoreiche Finanzierungen vornehmen. Damit ist aber Schluss, wenn die Prosperität durch die Krise beendet wird und die Basisverhältnisse der Wertschöpfung durch produktive Arbeit sich kurzfristig im Zyklus aber auch auf lange Sicht wieder durchsetzen. Damit kann auf Schumpeter zurückgekommen werden, dessen Vorstellung simpel erscheint. Als Engpass der kapitalistischen Produktion wird der Geldkapitalvorschuss bestimmt. Der kann beseitigt werden mit der unbegrenzten Geldschöpfung des Banksystems. Die Geldschöpfung trifft auf innovative Unternehmer, die inneren Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise werden in einer langen Konjunkturwelle (Kondratieff-Zyklus) überwunden. Zur Kritik dieser Sichtweise aus marxistischer Sicht ist zwischen der Zentralbankgeldschöpfung und der Kreditschöpfung der Banken zu unterscheiden. Die Höhe der Reserven der Geschäftsbanken, die Zahlungsgewohnheiten der Kunden, die Barabhebungsquote und die Höhe der Depositen setzen die Grenze des Kreditangebots der Banken. Keynes beispielsweise hält eine unbegrenzte Geldschöpfung nur unter extremen Modellvoraussetzungen für denkbar. Es müssten ein geschlossenes Banksystem, keine Auslandsbeziehungen, kein Bargeld nur unbare Zahlungen, keine Barreserven gegeben sein und die Banken müssten sich im Gleichschritt bewegen. Keynes stellt jedoch fest, dass es keinen Zwang der Banken gebe, sich im Gleichschritt zu bewegen, das gelte auch für das Banksystem als Ganzes. Die Geldschöpfung der Banken ist somit nachgeordnet gegenüber der Zentralbankschöpfung, die Banken hängen an der Leine der Zentralbank und der Kreditnachfrage der Nichtbanken. Aber auch die Zentralbank hängt an der Leine der Schöpfung und Vernichtung der Wertzeichenzirkulation in Abhängigkeit von der Zahlungsbilanz, dem Wechselkurs und den Marktzinssätzen. Steuerungsmöglichkeiten der Zentralbank sind nur dann gegeben, wenn eine unerwünschte Wertzeichenzirkulation durch die Kreditpolitik sterilisiert werden muss. Die autonome Kreditschöpfung erscheint nur vom Standpunkt des Bankkapitals als solche, die Dynamik der Kapitalakkumulation und die Wertschöpfung des reproduktiven Kapitals bleiben bei dieser Sichtweise außen vor. Eine zyklisch begrenzte Konstellation wird vom Monetärkeynesianismus verallgemeinert. Insgesamt muss die Sichtweise des Monetärkeynesianismus als oberflächlich kritisiert werden. Zusammenfassend können aus marxistischer Sicht noch einmal sechs Punkte festgehalten werden. 1. Waren treten preisbestimmt in die Zirkulation ein. Das schließt ein, dass die Einjustierung des Werts der Waren durch die Nachfrage induzierte Veränderungen enthält. 2. Der Umfang der zirkulierenden Waren an allen drei Märkten (Waren, Arbeits- und Finanzmarkt) bestimmt die Geldzirkulation. Das gilt für die Metallzirkulation, bei Berücksichtigung des Kredit- und Bankensektors und für die entwickelten Formen des Repräsentativgeldes. 3. Die primäre ökonomische Grunddynamik kommt von der Produktion des Mehrwerts und nicht von der Verwertung des Geldkapitals. Es bestehen allerdings Rückwirkungen. 4. Der Finanzsektor ist ein abgeleiteter Sektor gegenüber dem Sektor des industriellen und kommerziellen Kapitals. Diesem Abhängigkeitsverhältnis unterliegt der Unterschied von produktiver (mehrwertschaffender) und unproduktiver Arbeit. 5. Es besteht eine Tendenz der Verselbstständigung des Finanzsektors als allgemeines Gesetz. Der Widerspruch der Mehrwertproduktion beherrscht die Dynamik der Kapitalakkumulation. Langfristig wird die die beschleunigte Akkumulation durch eine strukturelle Überakkumulation von Kapital abgelöst. 6. Der aktuelle Finanzmarktkapitalismus weist die bislang weitestgehende Verselbstständigung der Finanzsphäre auf.

Zum Schluss gilt es die Geldpolitik des quantitative Easing und die Modern Monetary Theory (MMT) als jüngste Variante der Geldpolitik noch einmal kritisch zu betrachten. Die EZB hat sich vor kurzem bereit erklärt, dem Bankensystem notfalls unbegrenzt Liquidität bereitzustellen. Das galt vor der Corona-Krise und noch mehr im Laufe der Krise und danach. Eine expansive Geldpolitik hat jedoch Grenzen, die häufig „vergessen“ werden. Im Prosperitätszyklus schlägt eine massive Geldschöpfung in einen inflationären Preisanstieg um, wenn die zyklischen Kapazitätsgrenzen erreicht und überschritten werden. Im Überakkumulationszyklus, den wir seit Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts haben, stößt diese Geldpolitik auf verwertungsbedingte Grenzen der Kreditnachfrage von Unternehmen und auf Einkommensgrenzen der Haushalte. Die Konsequenz ist, dass dann massiv Gelder auf die Finanzmärkte umgeleitet werden und Vermögenspreisblasen entstehen. Die eigentliche Herausforderung für die Zentralbanken ist jedoch, ob sie durch ihre Politik des „Quantitative Easing“ Bankenzusammenbrüche, Börsencrashs und Staatsfalliten vermeiden können. Die EZB ist fokussiert auf Käufe von Staatsschuldpapieren, Niedrigzinsen und die Erweiterung von beleihungsfähigenWertpapieren. Geldtheoretisch gesehen, wird durch diese ultralockere Geldpolitik faktisch unter dem Titel von Kreditgeld Zentralbankgeld als zusätzliches Wertzeichen geschaffen. Der langfristigen Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen Zentralbankgeldmenge unterliegt unter Überakkumulationsbedingungen die Problematik, vor allem Preiseffekte für die verschiedenen Formen fiktiven Kapitals ( Wertpapiere) zu erzeugen und damit rückwirkend Fehlentwicklungen zu provozieren. Bis zur Corona-Krise wurde diese EZB-Politik durch eine gleichzeitige Austeritätspolitik der öffentlichen Haushalte konterkariert. Das hat sich mit dem tiefen Einbruch der Corona-Krise geändert, die öffentliche Haushalte tragen nun richtigerweise zur massiven staatlichen Verschuldung bei. Trotzdem kann diese Politik nach der Krise nicht ad Infinitum weitergeführt werden, zumal wenn überakkumulative Verwertungsblockaden weiter bestehen. Der Zwang zum Schuldenabbau trifft früher oder später alle Wirtschaftsbereiche. Die Frage ist nur, ob dieser Abbau auf soziale Weise durchgeführt wird oder ob er wieder die Schwächsten der Gesellschaft trifft. Auch nach der Corona-Krise steckt die Geldpolitik der EZB in einem Dilemma. Betreibt sie den Ausstieg aus dem „quantitativen Easing“ um die Spekulation an den Finanzmärkten zu vermeiden, befördert sie deflationäre Tendenzen an den Warenmärkten. Setzt sie aber die ultralockere Geldpolitik fort, dann befördert sie die Inflation an den Vermögensmärkten und provoziert den Krach dieser Märkte. Ein vor dem Hintergrund des Handelskriegs zwischen den USA und China erfolgender Zusammenbruch der internationalen Finanzmärkte würde die Gefahr des Abgleitens des Kapitalismus in die Barbarei bedeuten. Eine wirkliche Emanzipation von den Problemen ist nur durch eine schrittweise Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise möglich. Die Modern Monetary Theory (MMT) sieht das entspannter. Das kann sie nur, weil sie Geld nicht als naturwüchsig im Austauschprozess entstehendes Äquivalent des Werts sieht und damit auch nicht auf die Analyse der gesellschaftlichen Arbeit zurückgeht. Sie betrachtet Geld als ein durch den Staat geschaffenes und die Zentralbank beliebig gesteuertes Transaktionsmedium. Es entsteht nach dieser Auffassung per Buchungssatz „aus dem Nichts.“ Für die MMT ist das „fiat Money“ von jeglicher naturwüchsigen Wertmaßfunktion befreit und erhält seine Geldeigenschaft aus dem Vertrauen der Bevölkerung. Dahinter verbirgt sich ein klassischer Zirkelschluss. Weil der Staat einen Annahmezwang des Zentralbankgeldes gesetzlich vorschreibt, könne er Geld „aus dem Nichts“ schaffen und gewährleiste dadurch die Reichtumsproduktion und die Zahlung von Steuern. Er könne seine Ausgaben einfach tätigen ohne Rücksicht auf finanzielle Engpässe. Die MMT krankt somit neben den Fundamentalfehlern bei der Geldbestimmung auch an den Weiterungen, die sich daraus ergeben. Es fehlen komplett der Rückbezug auf die Bedingungen der Kapitalverwertung und die Unterscheidung der langfristig beschleunigten Akkumulation von ihrer Ablösung durch die strukturelle Überakkumulation. Sie kann nicht die Veränderung des Zyklusmusters, das Ausbleiben kumulativer Prozesse, die Vertiefung und Verlängerung der Abschwünge und den größeren Einfluss des Finanzsektors erklären. Hinzu kommt die Ausblendung der Einbettung der Volkswirtschaften in die internationale Konkurrenz. Jede Inflationierung einer nationalen Währung, die das Maß anderer Währungen überschreitet, führt zu Wechselkursveränderungen, importierter Inflation und destabilisierenden Kapitalbewegungen, Die Schuldenkrise vieler Länder seit den 80er Jahren spricht da eine deutliche Sprache.

 

Fazit: Die MMT ist eine Vulgärökonomie im Marxschen Sinne, das heißt, sie treibt sich in oberflächlichen Erscheinungsformen herum. Sie ist für linke Politik nicht zielführend und desavouiert eine finanziell ausgewiesene nachhaltige Ausweitung öffentlicher Investitionen und sozialer Transfers. Als Alternative zu den Vorschlägen der MMT müsste eine öffentliche Strukturpolitik zusammen mit einer ausgewogenen Fiskal- und Geldpolitik betrieben werden. Es bedarf neuer Steuerungsinstrumente im Rahmen einer transformatorischen nicht-kapitalistischen Wirtschafts- Geld- und Sozialpolitik. Eine solche Politik muss von der demokratischen Linken auf Basis eines nachvollzieh-baren Programms dargestellt und glaubwürdig in der Öffentlichkeit vertreten werden, wenn auf absehbare Zeit die politischen Kräfteverhältnisse verändert werden sollen.

(1)Der Aufsatz fasst wesentliche Punkte eines Referates von Stephan Krüger im Rahmen einer Tagung zur Arbeitswerttheorie am 23.11.19 an der Marx-Engels-Stiftung in Stuttgart zusammen. Es hatte den Titel: Evolution des kapitalistischen Geld- und Währungssystems-Von den allgemeinen Bestimmungen des Geldes zu den entwickelten Formen von Geld, Kredit und fiktivem Kapital.

 

 


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